Mentale Gesundheit bei Krones: Ausgangslage und Zielsetzung
Die KRONES AG stand vor der Herausforderung, das Thema mentale Gesundheit aus der Tabuzone zu holen und als festen Bestandteil der Unternehmenskultur zu etablieren. Psychische Belastungen, insbesondere durch digitale Transformation und Schichtarbeit, machten deutlich, dass gezielte Maßnahmen erforderlich sind. Ziel des Projekts war es, die Aufmerksamkeit für mentale Gesundheit zu erhöhen, Verständnis aufzubauen und nachhaltige Sensibilisierung in der Belegschaft zu erreichen.
Umgesetzte Maßnahmen und Zielgruppen
Im Rahmen der Kampagne „Nicht nur Kopfsache!“ wurde eine umfassende Kommunikations- und Aktionskampagne entwickelt. Die Angebote richteten sich an alle Mitarbeitende des Unternehmens – sowohl an kaufmännisch als auch gewerblich Beschäftigte. Um möglichst viele Personen zu erreichen, wurde eine breite Palette an Maßnahmen umgesetzt. Dazu zählten unter anderem Live-Vorträge, eine themenspezifische Webinarreihe, Screening-Angebote und Aktionstage mit einem Virtual-Reality-Erlebnis zur Aufklärung über Depression. Ergänzt wurde das Programm durch regelmäßige Newsletter, kurze Impulse auf internen Plattformen, angeleitete Entspannungspausen, sogenannte „Gedankencafés“ als Austauschforen sowie psychologische Erste-Hilfe-Kurse. Ein besonderes Trainingsangebot unter dem Titel „Standfest trotz Gegenwind“ vermittelte Strategien zur mentalen Resilienz.
Die Angebote wurden gezielt auf unterschiedliche Lebensrealitäten abgestimmt, um Mitarbeitende unabhängig von Arbeitsbereich, Schichtmodell oder Zugangsmöglichkeiten einzubeziehen. Dabei spielte eine zielgruppengerechte Ansprache eine zentrale Rolle.
Herausforderungen in der Ansprache gewerblicher Mitarbeiter und Lösungsansätze
Eine der größten Herausforderungen lag in der Ansprache gewerblicher Mitarbeitender. Während digitale Formate vor allem von Mitarbeitenden aus dem kaufmännischen Bereich gut angenommen wurden, war die Teilnahme in der Produktion deutlich geringer. Ursachen hierfür waren unter anderem das Schichtsystem sowie eine geringere thematische Greifbarkeit. Diese Hürden wurden durch spezifische Maßnahmen wie Vor-Ort-Screenings, Live-Vorträge, eine intensive Plakatkampagne sowie die Verwendung praxisnaher Sprache in der Kommunikation erfolgreich adressiert.
Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor war die frühzeitige und konsequente Unterstützung durch die Unternehmensführung, die dem Thema Sichtbarkeit und Priorität verlieh.
Ergebnisse der Mental Health Kampagne bei Krones
Die Kampagne stieß auf ein hohes Maß an Beteiligung und Aufmerksamkeit. Insgesamt wurden über 3.000 aktive Teilnahmen an den verschiedenen Formaten verzeichnet, ergänzt durch mehr als 51.000 Kontaktpunkte z.B. Views von Viva Engage Postings, Intranet Meldungen oder interne Kommunikationskanäle wie Newsletter. Zudem gab es Plakate, Tischaufsteller oder persönliche Gespräche zur Kommunikation und Verbreitung der Angebote.
In der Abschlussbefragung gaben 99 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Sichtweise auf das Thema mentale Gesundheit durch die Kampagne verändert habe. Ebenso viele berichteten, dass sie die Inhalte bereits anwenden oder dies zukünftig beabsichtigen.
Ein deutlicher Rückgang der Stigmatisierung war ebenfalls festzustellen: Immer mehr Mitarbeitende suchen proaktiv das Gespräch zu mentalen Themen. Die KRONES AG wurde für dieses Engagement mit dem ersten Platz des Deutschen Personalwirtschaftspreises 2024 in der Kategorie „BGM & Mental Health“ ausgezeichnet – ein Beleg für die externe Sichtbarkeit und Wirksamkeit der Initiative.
Zentrale Erkenntnisse aus der Mental Health Kampagne
Im Verlauf des Projekts wurde deutlich, dass unterschiedliche Mitarbeitendengruppen differenzierte Ansätze benötigen. Nicht jede Maßnahme wirkt gleichermaßen auf alle Zielgruppen. Es zeigte sich, dass emotionale Erlebbarkeit und niedrigschwellige Angebote von zentraler Bedeutung für die Akzeptanz sind.
Ein weiterer zentraler Befund war die Bedeutung der Vorbildfunktion von Führungskräften. Wenn Führungspersonen das Thema aktiv unterstützen und sich einbringen, fördert das die Teilnahmebereitschaft und betont die Relevanz für das Unternehmen.
Zudem wurde erkannt, dass mentale Gesundheit ein sensibles Thema ist, das Vertrauen und Kontinuität erfordert – punktuelle Einzelmaßnahmen reichen nicht aus.
Ausblick und Empfehlungen zum Thema Mentale Gesundheit
Das Thema „Mentale Gesundheit“ wird auch in Zukunft bei Krones fortgeführt und weiterentwickelt. Geplant sind unter anderem eine regelmäßige Impulsreihe mit Webinaren, kurze digitale Beiträge wie der „#Montagsmoment“, jährliche Aktionstage zum Welttag der Mentalen Gesundheit, vertiefende Live-Talks, weitere Resilienz Trainings sowie Ersthelfer Kurse für die seelische Gesundheit mit weiteren Kooperationspartnern. Formate wie das „Gedankencafé“ und die „Entspannte Pause“ sollen dauerhaft etabliert und ausgebaut werden.
Für die erfolgreiche Umsetzung ähnlicher Initiativen lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:
- Eine fundierte Bedarfsanalyse auf Basis von Daten wie der psychischen Gefährdungsbeurteilung liefert eine verlässliche Ausgangslage für die Maßnahmenplanung.
- Die Unterstützung der Führungsebene sollte frühzeitig sichergestellt und aktiv in den Prozess eingebunden werden.
- Unterschiedliche Zielgruppen profitieren von zielgruppenspezifischen, erlebbaren Angeboten – vor allem Beschäftigte in Schichtsystemen oder mit physisch geprägten Tätigkeiten benötigen andere Zugänge als Bürokräfte.
- Eine offene, transparente Kommunikation hilft dabei, bestehende Vorurteile abzubauen und das Thema zu normalisieren.
- Die Maßnahmen sollten emotional erfahrbar, erlebbar und persönlich relevant gestaltet sein – reine Informationsvermittlung reicht nicht aus.
- Regelmäßige Evaluation und eine flexible Anpassung der Formate sichern die langfristige Wirksamkeit.
- Die Einbindung externer Expertise kann sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich sinnvoll sein, insbesondere bei Schulungen oder medizinisch-psychologischen Themen.
Die Kampagne „Nicht nur Kopfsache!“ zeigt beispielhaft, wie mentale Gesundheit ganzheitlich, wirkungsvoll und nachhaltig in einem Unternehmen gefördert werden kann – und dass psychische Gesundheit ein zentraler Bestandteil von Zukunftsfähigkeit und sozialer Verantwortung ist.




