Von der Gesundheitswoche zur nachhaltigen Gesundheitsförderung
Seit März 2012 begleiten wir das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit zielgruppengerechten Gesundheitsangeboten auf dem Weg zu einem zeitgemäßen Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Begonnen hat alles mit einer Gesundheitswoche und der anknüpfenden Fragestellung: Wie können wir Gesundheit nachhaltig fördern, auch wenn sich die Arbeitswelt grundlegend verändert?
Diese Frage wurde während der Corona-Pandemie besonders aktuell. In dieser Zeit arbeiteten viele Mitarbeitende plötzlich aus dem Homeoffice und machten die Erfahrung: Das funktioniert erstaunlich gut. Die Flexibilität, die damit einherging, wurde von vielen als Bereicherung erlebt. Als klar wurde, dass diese neue Arbeitsweise keine Übergangslösung ist, sondern sich langfristig etablieren würde, zog das IW konkrete Konsequenzen: Es begann, feste Büroarbeitsplätze schrittweise abzubauen und hybride Arbeitsmodelle stärker zu fördern.
Die Herausforderung, Menschen zu erreichen, die nicht mehr täglich im Büro sind, wurde damit zu einem zentralen Thema – und ist es bis heute geblieben.
Digitales BGM – aber flexibel und persönlich
Eine Lösung aus unserem digitalen BGM-Angebot ist die digitale Bewegte Pause. Seit 2021 findet sie viermal pro Woche statt. 15 Minuten, die wirklich etwas bewegen. Ganz gleich, ob im Büro oder zu Hause: Die kurzen Einheiten lassen sich perfekt in den Alltag integrieren und bringen frischen Schwung in den Arbeitstag. Die positive Resonanz zeigt uns: Dieses Format funktioniert und wird aktiv gelebt. Genau hier zeigt sich das Potenzial, das digitales BGM entfalten kann – wenn es passgenau und alltagsnah gedacht wird.
Ein weiteres Highlight aus unserem digitalen BGM war das hybride Kleingruppentraining (2018–2023), bei dem ein Trainer die Gruppe vor Ort anleitete und sich Kolleg:innen aus dem Homeoffice live zuschalten konnten. So entstand ein Gemeinschaftsgefühl, das über den Bildschirm hinausreichte. Auch unser fünfwöchiges Resilienztraining „Standfest trotz Gegenwind“ im Jahr 2023 wurde sehr gut angenommen. Gerade in Zeiten ständiger Veränderung brauchen Menschen konkrete Strategien, um gelassener mit Stress umzugehen. Genau das haben wir angeboten – digital, ortsunabhängig und praxisnah.
Workshops, Webinare und kleine Aha-Momente
Neben den regelmäßigen Formaten finden auch themenspezifische Workshops und Webinare statt, die das Spektrum des digitalen BGM erweitern. Inhalte wie Burnout-Prävention, gesunde Ernährung, Pausenmanagement oder Selbstorganisation im Homeoffice gehören ebenso dazu wie Einheiten zur Förderung der mentalen Gesundheit oder Trainings zur gesunden Kommunikation im hybriden Arbeitskontext. Auch Auszubildende werden gezielt angesprochen – etwa mit Workshops rund um Motivation, Belastbarkeit und Gesundheitsbewusstsein in der Ausbildung.
2024 haben wir das Programm um ein neues Angebot ergänzt: die digitale Achtsamkeitspause. Dieses Format ist, ähnlich wie die Bewegte Pause, ein weiterer fester Bestandteil unseres digitalen BGM geworden. In nur 15 Minuten können die Teilnehmenden zur Ruhe kommen, einen Moment durchatmen und lernen, wie sie ihre Aufmerksamkeit bewusst lenken – weg vom Multitasking hin zu mehr innerer Klarheit.
Digitales BGM muss passgenau sein
Natürlich war es nicht immer einfach, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Mitarbeitende im Büro und im Homeoffice, unterschiedliche Rollen, verschiedene Belastungen – all das verlangt nach flexiblen Lösungen. Gemeinsam mit der Ansprechpartnerin im IW konnten wir ein digitales BGM-Angebot entwickeln, das niedrigschwellig zugänglich und gleichzeitig nachhaltig wirksam ist. Ein Schwerpunkt lag zuletzt auf den Themen Stressmanagement, Resilienz und Achtsamkeit, die auch im digitalen Raum bestens vermittelbar sind.
Unsere Erfahrung zeigt: Wenn digitales BGM richtig aufgesetzt wird, kann es nicht nur bestehende Lücken schließen, sondern auch neue Impulse für eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur setzen. Es schafft ortsunabhängige Zugänge, fördert Selbstverantwortung und stärkt den Zusammenhalt – gerade in hybriden Arbeitsstrukturen.
Ausblick: Digitales BGM weiterdenken
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat längst erkannt, dass Gesundheit kein Nice-to-have ist, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Arbeitswelten. Weitere Themen wie gesunde Selbstführung, mentale Stärke, gesunder Schlaf oder der Umgang mit digitalen Belastungen stehen bereits in den Startlöchern. Dabei setzen wir weiterhin auf praxisnahe Formate, kurze Impulse und die Möglichkeit, das Gelernte direkt in den Alltag zu integrieren.
Wir freuen uns darauf, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen – mit einem digitalen BGM, das verbindet, unterstützt und neue Perspektiven für gesunde Arbeit eröffnet.
Executive Takeaways: Was Unternehmen von diesem Praxisbeispiel lernen können
- Digitales BGM ist eine Antwort auf die Herausforderungen hybrider Arbeitswelten, nicht nur eine digitale Alternative zu klassischen Gesundheitsangeboten.
- Die Wirksamkeit von digitalem BGM hängt stark von Passgenauigkeit und Integration in den Arbeitsalltag ab.
- Ortsunabhängige Gesundheitsangebote ermöglichen einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsförderung in hybriden Organisationen.
- Kurze, regelmäßig nutzbare Formate fördern die nachhaltige Verankerung gesundheitsbezogener Routinen im Arbeitsalltag.
- Digitales BGM stärkt Gesundheit, Vernetzung und Zusammenhalt auch außerhalb gemeinsamer Büropräsenz.
Häufige Fragen zu digitalem BGM
Warum gewinnt digitales BGM für die Unternehmensführung an strategischer Bedeutung?
Mit der Verbreitung hybrider und mobiler Arbeitsmodelle verlieren klassische, standortgebundene Gesundheitsangebote an Reichweite. Digitales BGM ermöglicht es, Mitarbeitende unabhängig von Arbeitsort und Arbeitszeit in bestehende Gesundheitsstrategien einzubinden und gesundheitliche Chancengleichheit innerhalb der Organisation zu fördern.
Welchen Mehrwert bietet digitales BGM gegenüber traditionellen Gesundheitsangeboten?
Der zentrale Mehrwert liegt in der besseren Erreichbarkeit von Zielgruppen. Digitales BGM kann Mitarbeitende unabhängig von Präsenzzeiten, Standorten oder Arbeitsmodellen ansprechen und dadurch eine höhere organisatorische Reichweite erzielen.
Welche Rolle spielt digitales BGM in hybriden Arbeitsstrukturen?
In hybriden Organisationen übernimmt digitales BGM zunehmend eine verbindende Funktion. Es schafft gemeinsame Gesundheitsangebote für Mitarbeitende im Büro und im Homeoffice und kann dadurch einen Beitrag zur sozialen Integration und Unternehmenskultur leisten.
Woran lässt sich erkennen, ob digitales BGM organisatorisch wirksam ist?
Die entscheidende Kenngröße ist die tatsächliche Nutzung der Angebote und die Integration in den Arbeitsalltag. Nachhaltige Wirkung entsteht dort, wo Gesundheitsförderung niedrigschwellig zugänglich ist und als selbstverständlicher Bestandteil der Arbeitsorganisation wahrgenommen wird.
Besteht die Gefahr, dass digitales BGM persönliche Gesundheitsförderung ersetzt?
Nein. Digitale Formate ersetzen persönliche Begegnungen nicht vollständig, können diese aber sinnvoll ergänzen. Besonders in dezentralen und hybriden Arbeitsumgebungen schließen sie Versorgungslücken, die durch rein analoge Angebote häufig entstehen.
Wo liegen die Grenzen von digitalem BGM?
Digitales BGM kann Gesundheitsförderung zugänglicher machen, löst jedoch keine strukturellen Defizite in Führung, Arbeitsorganisation oder Unternehmenskultur. Sein Nutzen entfaltet sich vor allem dann, wenn digitale Gesundheitsangebote in eine übergreifende Gesundheits- und Führungsstrategie eingebettet sind.




