BGM-Kennzahlen: Warum Fehlzeiten allein keine fundierten Entscheidungen ermöglichen
In vielen Unternehmen spielen BGM-Kennzahlen derzeit wieder eine zentrale Rolle. Insbesondere steigende Fehlzeiten führen zu Diskussionen über Ursachen und geeignete Steuerungsmaßnahmen. Entscheidungen basieren dabei häufig auf Annahmen, Meinungen oder Einzelbeobachtungen statt auf belastbaren Erkenntnissen. Diese Situation führt regelmäßig dazu, dass Unternehmen auf Symptome reagieren, ohne die zugrunde liegenden Wirkmechanismen zu verstehen. Deshalb wollen wir Antworten dazu liefern, wie BGM-Kennzahlen so strukturiert werden können, dass aus Daten belastbare Entscheidungen entstehen.
Welche BGM-Kennzahlen Unternehmen tatsächlich benötigen: Ein Bewertungsrahmen
BGM-Kennzahlen sind für die Unternehmenssteuerung relevant, weil Gesundheitsmanagement zunehmend an seinem Beitrag zu strategischen Unternehmenszielen gemessen wird. Fehlzeiten stehen dabei häufig im Fokus, sind jedoch nicht die einzige relevante Zielgröße. Ebenso spielen Produktivität, Recruiting-Erfolg, Mitarbeitendenstabilität oder Fluktuation eine Rolle. Gleichzeitig besteht eine zentrale Herausforderung: Der direkte Zusammenhang zwischen einzelnen BGM-Maßnahmen und Unternehmenskennzahlen lässt sich in der Praxis nur selten eindeutig nachweisen. Unternehmen können nicht belastbar belegen, dass eine einzelne Maßnahme unmittelbar für sinkende Fehlzeiten verantwortlich ist, da zahlreiche weitere Einflussfaktoren wirken. Wer BGM-Kennzahlen ausschließlich isoliert betrachtet, riskiert daher Fehlinterpretationen und eine Steuerung auf Basis von Vermutungen statt Wissen.
Aus Beratungssicht lassen sich BGM-Kennzahlen entlang einer Wirkungslogik strukturieren:
1. Strategische Zielkennzahlen definieren
Der erste Schritt besteht darin, die Unternehmenskennzahlen festzulegen, die durch Gesunde Arbeit positiv beeinflusst werden sollen. Hierzu können beispielsweise gehören:
- Fehlzeiten
- Fluktuation
- Produktivität
- Recruiting-Erfolg
- Arbeitgeberattraktivität
- Mitarbeitendenstabilität
Diese Kennzahlen bilden die strategischen Zielgrößen des Systems. Entscheidend ist, zunächst die gewünschten Unternehmensmehrwerte zu definieren und erst danach die gesundheitsbezogenen Einflussfaktoren zu betrachten.
2. Die relevanten Wirkungstreiber identifizieren
Zwischen einer BGM-Maßnahme und einer Unternehmenskennzahl liegen verschiedene Einflussfaktoren. Typische Treiber sind beispielsweise:
- Führungsqualität
- Arbeitsmotivation
- Selbstwirksamkeit
- psychologische Sicherheit
- sozialer Zusammenhalt
- Identifikation mit dem Unternehmen
Diese Faktoren beeinflussen unmittelbar die Wahrnehmung und das Verhalten von Mitarbeitenden und wirken mittelbar auf die späteren Unternehmenskennzahlen. Die zentrale Frage lautet deshalb: Welche Treiber beeinflussen die definierten Unternehmensziele am stärksten?
3. BGM-Maßnahmen mit den Treibern verknüpfen
Gesunde Arbeit wirkt nicht direkt auf Fehlzeiten, Fluktuation oder Produktivität. Maßnahmen beeinflussen zunächst die zugrunde liegenden Treiber. Deshalb sollten Unternehmen jede Maßnahme einer klaren Wirkannahme zuordnen:
- Welche Treiber werden beeinflusst?
- Welche Veränderung soll dadurch entstehen?
- Auf welche Unternehmenskennzahl soll langfristig eingezahlt werden?
Erst durch diese logische Verknüpfung entsteht eine nachvollziehbare Wirkungskette zwischen Maßnahme, Treiber und Zielkennzahl.
Häufige Managementfehler bei der Betrachtung von BGM-Kennzahlen
Ein häufiger Managementfehler besteht darin, Fehlzeiten isoliert als Steuerungsgröße zu betrachten. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass hinter steigenden Fehlzeiten unterschiedliche Ursachen stehen können. Belastung, Führung, Motivation oder organisatorische Rahmenbedingungen wirken häufig gleichzeitig auf das Ergebnis ein. Fehlzeiten allein liefern daher nur begrenzte Aussagen über tatsächliche Ursachen. Problematisch wird es außerdem, wenn ausschließlich Outcomes betrachtet werden. Unternehmen erfassen dann zwar Veränderungen bei Fehlzeiten oder Fluktuation, können jedoch nicht nachvollziehen, wodurch diese Entwicklungen entstanden sind. Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, Maßnahmen mit Wirkung gleichzusetzen. Die Durchführung einer Maßnahme liefert noch keinen Nachweis für eine tatsächliche Veränderung relevanter Treiber oder Unternehmenskennzahlen.
Moderne BGM-Kennzahlensysteme basieren auf Wirkungsketten
Aus unserer Beratungserfahrung zeigt sich, dass BGM-Kennzahlen nur dann steuerungsrelevant werden, wenn sie in ein nachvollziehbares Wirkungsmodell eingebettet sind. Erfolgreiche Unternehmen betrachten deshalb drei Ebenen gleichzeitig:
- Unternehmensbezogene Zielkennzahlen
- Treiber und Einflussfaktoren
- Maßnahmen der Gesunden Arbeit
Erst das Zusammenspiel dieser Ebenen ermöglicht belastbare Aussagen darüber, welche Handlungsfelder relevant sind und wo tatsächlich Wirkung entsteht. Auf dieser Grundlage können Unternehmen Kennzahlen nicht nur zur Dokumentation nutzen, sondern gezielt für Diagnostik, Priorisierung und Steuerung einsetzen. Dadurch entstehen Entscheidungen auf Basis von Wissen statt auf Basis von Vermutungen.
Executive Takeaways: Was du über BGM-Kennzahlen wissen solltest
- BGM-Kennzahlen dienen der Steuerung, nicht der Datensammlung.
- Fehlzeiten allein liefern keine ausreichende Entscheidungsgrundlage.
- Wirkung entsteht über Treiber wie Führung, Motivation oder Selbstwirksamkeit.
- Maßnahmen wirken mittelbar über Einflussfaktoren auf Unternehmenskennzahlen.
- Wirksame Kennzahlensysteme verbinden Ziele, Treiber und Maßnahmen zu einer logischen Wirkungskette.
Häufige Fragen zu BGM-Kennzahlen
Welche BGM-Kennzahlen sollten Unternehmen messen?
BGM-Kennzahlen sollten sich an den strategischen Unternehmenszielen orientieren. Häufig relevante Kennzahlen sind Fehlzeiten, Fluktuation, Produktivität, Recruiting-Erfolg, Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeitendenstabilität. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Kennzahlen, sondern ihre Steuerungsrelevanz.
Warum reichen Fehlzeiten als BGM-Kennzahl nicht aus?
Fehlzeiten zeigen Entwicklungen auf, liefern jedoch keine Informationen über deren Ursachen. Erst die Kombination mit Einflussfaktoren wie Führung, Motivation, psychologischer Sicherheit oder Identifikation ermöglicht eine fundierte Einordnung und wirksame Entscheidungen.
Wie lassen sich Wirkungen von BGM-Maßnahmen messen?
Die Wirkung einzelner Maßnahmen lässt sich nicht direkt an Unternehmenskennzahlen wie Fehlzeiten oder Fluktuation ablesen. Sinnvoller ist ein Kennzahlensystem, das Maßnahmen, relevante Treiber und strategische Zielkennzahlen über eine nachvollziehbare Wirkungskette miteinander verbindet.
Welche Rolle spielen Mitarbeitendenbefragungen im Kennzahlensystem?
Mitarbeitendenbefragungen liefern Informationen zu zentralen Treibern wie Führungsqualität, Arbeitsmotivation, Selbstwirksamkeit oder psychologischer Sicherheit. Sie schließen die Lücke zwischen Maßnahmen der Gesunden Arbeit und den späteren Auswirkungen auf Unternehmenskennzahlen.
Woran erkennt man ein wirksames BGM-Kennzahlensystem?
Ein wirksames BGM-Kennzahlensystem verbindet drei Ebenen: strategische Zielkennzahlen, relevante Wirkungstreiber und konkrete Maßnahmen. Dadurch werden Zusammenhänge sichtbar, Handlungsfelder priorisiert und Entscheidungen datenbasiert statt auf Basis von Vermutungen getroffen.
Weiterführende Inhalte zu BGM–Kennzahlen
BGM-Kennzahlen entfalten ihren Nutzen erst dann, wenn sie in einen größeren Steuerungszusammenhang eingebettet werden. Wer verstehen möchte, wie Kennzahlen, Reporting und Gesundheitsmanagement zusammenwirken, sollte die gesamte Entscheidungslogik dahinter betrachten. Wie wir Unternehmen dabei unterstützen, Kennzahlensysteme zu entwickeln, um daraus konkrete Steuerungsimpulse abzuleiten., erfahrt ihr hier.




