BGM-Kennzahlen richtig einordnen: Warum aus Daten oft keine Entscheidungen entstehen
In vielen Unternehmen werden zahlreiche BGM-Kennzahlen rund um Gesundheit, Fehlzeiten oder Fluktuation erhoben. Entscheidungen orientieren sich dabei jedoch häufig an verfügbaren Daten, ohne die zugrunde liegende Steuerungsfrage explizit zu klären. In der Unternehmenspraxis führt diese Verkürzung regelmäßig zu Kennzahlensystemen, die Transparenz schaffen, aber wenig Orientierung für konkrete Entscheidungen bieten. Genau hier liegt der Unterschied zwischen Kennzahlen als Reporting-Instrument und Kennzahlen als Steuerungsinstrument. Das Ziel Gesunder Arbeit ist nicht die Sammlung möglichst vieler Daten, sondern die systematische Verbesserung von Unternehmenskennzahlen wie Fehlzeiten, Fluktuation, Produktivität oder Qualität.
Welche BGM-Kennzahlen für die Steuerung wirklich relevant sind
Aus unternehmerischer Perspektive sind BGM-Kennzahlen deshalb relevant, weil sie unmittelbar mit Führungsentscheidungen, Ressourcenallokation und organisatorischen Rahmenbedingungen verknüpft sind. Entscheidend dabei ist, welche Unternehmenskennzahlen durch Gesunde Arbeit beeinflusst werden sollen. Wird diese Einordnung nicht vorgenommen, entstehen häufig umfangreiche Reportings mit vielen Zahlen, aber begrenzter Steuerungswirkung.
Die gewünschte Zielkennzahl festlegen
Bevor Unternehmen über Dashboards oder KPI-Systeme sprechen, sollten sie eine grundlegende Frage beantworten: Welche Unternehmenskennzahl soll durch Gesunde Arbeit verbessert werden? Geht es um sinkende Fehlzeiten? Höhere Mitarbeiterbindung? Mehr Produktivität? Oder bessere Qualität? Erst wenn dieses Zielbild definiert ist, lässt sich ableiten, welche Kennzahlen tatsächlich relevant sind. Ohne strategischen Fokus entsteht häufig ein Reporting mit vielen Datenpunkten, aber wenig Orientierung.
Steuerung vor Maßnahmen setzen
Viele Organisationen starten über Gesundheitsangebote, Workshops oder Aktionstage. Nachhaltige Wirkung entsteht jedoch erst, wenn Verantwortlichkeiten, Ziele und Entscheidungsprozesse geklärt sind. Bereits ein einfaches Setup aus klarer Verantwortung, einem Steuerkreis, wenigen priorisierten Zielen, einer belastbaren Datenbasis und einer nachvollziehbaren Maßnahmenlogik schafft die Grundlage für wirksame Steuerung. Unternehmen mit zahlreichen bestehenden Initiativen stehen häufig vor der Herausforderung, nicht zu wissen, welche Maßnahmen tatsächlich einen Beitrag zu den definierten Gesundheitszielen leisten.
BGM-Kennzahlen entlang einer Wirklogik betrachten
Ein häufiger Irrtum besteht darin, Gesundheit direkt mit einzelnen Maßnahmen zu verbinden. Zwischen einer Maßnahme und einer Unternehmenskennzahl liegen verschiedene Einflussfaktoren. Führung, Arbeitsorganisation oder Zusammenarbeit beeinflussen beispielsweise Engagement, Belastungserleben oder Mitarbeiterbindung. Diese Faktoren wirken sich wiederum auf Fehlzeiten, Fluktuation oder Produktivität aus. Wer diese Zusammenhänge sichtbar macht, kann Maßnahmen gezielter auswählen und ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg besser beurteilen.
Wenige BGM-Kennzahlen mit hoher Steuerungswirkung auswählen
Viele BGM-Reportings enthalten zu viele Kennzahlen und gleichzeitig zu wenig Relevanz für Entscheidungen. Relevant sind vor allem BGM-Kennzahlen, die beeinflussbar sind, ein klares Entscheidungssignal liefern und verlässlich erhoben werden können. In der Praxis hat sich eine einfache Struktur bewährt:
- Outcome-Kennzahlen: Fehlzeiten, Fluktuation, Unfälle, Produktivität, Qualität
- Leading Indicators: Führung, Belastungen, Engagement
- Prozess-Kennzahlen: Reichweite, Teilnahme, Umsetzungsgrad
Fehlzeiten mit weiteren BGM-Kennzahlen verknüpfen
Fehlzeiten gehören zu den wichtigsten Kennzahlen im BGM und werden gleichzeitig häufig zu oberflächlich betrachtet. Eine aussagekräftige Analyse beginnt mit einem Mehrjahresvergleich und der Identifikation auffälliger Bereiche oder Standorte. Anschließend sollten kurzfristige und langfristige Erkrankungen getrennt betrachtet werden. Besonders wertvoll wird die Analyse, wenn Fehlzeiten mit weiteren Kennzahlen verknüpft werden. Steigen beispielsweise Fehlzeiten, Fluktuation und Belastungswerte gleichzeitig an, entsteht ein deutlich klareres Bild möglicher Ursachen als durch die isolierte Betrachtung einzelner Datenpunkte.
Was das Management bei BGM-Kennzahlen häufig falsch einschätzt
Ein häufiger Managementfehler besteht darin, Kennzahlen mit Steuerung gleichzusetzen. In der Praxis zeigt sich, dass die Anzahl verfügbarer Kennzahlen häufig überschätzt wird. Problematisch wird es, wenn Reportings hauptsächlich Informationen sammeln, ohne konkrete Entscheidungen zu unterstützen. Ebenso problematisch wird es, wenn Aktivitätskennzahlen als Wirkungsnachweis interpretiert werden. Die Anzahl durchgeführter Maßnahmen sagt zunächst wenig darüber aus, ob sich relevante Zielgrößen wie Fehlzeiten oder Fluktuation tatsächlich verändern.
Wann BGM-Kennzahlen wirklich sinnvoll sind
Aus unserer Beratungserfahrung zeigt sich, dass BGM-Kennzahlen nur dann wirklich hilfreich sind, wenn sie konkrete Entscheidungen unterstützen. Ein Management-Dashboard sollte deshalb nicht aus einer Sammlung von Diagrammen bestehen, sondern drei Fragen beantworten:
- Wie ist die aktuelle Situation?
- Welche Ursache erscheint wahrscheinlich?
- Welche Entscheidung wird empfohlen?
Erst dadurch wird aus Reporting eine zielgerichtete Steuerung. Ebenso wichtig ist der Mut zum Weglassen. Nicht jede verfügbare Kennzahl gehört ins Dashboard. Nicht jede Kennzahl muss dauerhaft erhoben werden. Entscheidend sind wenige Kennzahlen, die tatsächliche Konsequenzen auslösen.
Executive Takeaways: Was du über BGM-Kennzahlen wissen solltest
- BGM-Kennzahlen dienen der Steuerung, nicht der Datensammlung.
- Unternehmensziele bestimmen die relevanten Gesundheitskennzahlen.
- Wirklogik schafft Orientierung.
- Fehlzeiten entfalten ihre Aussagekraft im Zusammenspiel mit weiteren Kennzahlen.
- Wenige entscheidungsrelevante Kennzahlen erhöhen die Steuerungswirkung.
Häufige Fragen zu BGM-Kennzahlen
Welche BGM-Kennzahlen sind für Unternehmen besonders relevant?
Relevant sind Kennzahlen, die mit den angestrebten Unternehmenszielen verknüpft sind. Häufig zählen dazu Fehlzeiten, Fluktuation, Produktivität, Qualität oder Unfälle.
Wie viele Kennzahlen sollte ein BGM-Dashboard enthalten?
Nicht die Anzahl entscheidet über die Qualität eines Dashboards. Relevant sind Kennzahlen, die ein klares Entscheidungssignal liefern und zuverlässig erhoben werden können.
Warum reichen Fehlzeiten allein nicht als Steuerungskennzahl aus?
Fehlzeiten geben isoliert betrachtet nur einen begrenzten Einblick. Erst die Kombination mit weiteren Kennzahlen wie Fluktuation oder Belastungswerten ermöglicht eine fundierte Einordnung.
Woran erkennt man eine sinnvolle BGM-Kennzahl?
Eine gute BGM-Kennzahl ist beeinflussbar, liefert Orientierung für Entscheidungen und lässt sich verlässlich messen.
Wann werden BGM-Kennzahlen zu einem echten Steuerungsinstrument?
Wenn sie nicht nur die aktuelle Situation beschreiben, sondern konkrete Managemententscheidungen unterstützen.
Weiterführende Inhalte zu BGM–Kennzahlen
Wer BGM-Kennzahlen nicht nur erheben, sondern für eine wirksame Unternehmenssteuerung nutzen möchte, sollte Kennzahlen immer im Zusammenhang mit Entscheidungsprozessen betrachten. Wie wir Unternehmen dabei unterstützen, Management-Dashboards und Kennzahlensysteme aufzubauen, erfahrt ihr hier.




