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ESG & Gesunde Arbeit

Wie vielversprechend ist ESG für Gesunde Arbeit? Machen sich die Auswirkungen bereits in Unternehmen bemerkbar? Wir geben einen spannenden Einblick in die Entwicklungen, die mit den gesetzlichen Regelungen einhergehen. | 5. Oktober 2024

ESG fordert Unternehmen zum Handeln auf

Die europäischen gesetzlichen Regelungen in Form der CSRD (Corporate Social Responsibiliy Directive) veränderten und erweiterten bestehende ESG-Reportingpflichten signifikant und führten bei sehr vielen Unternehmen zu einer erstmaligen Pflicht zur umfassenden Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie fordern Unternehmen auf, ihre Verantwortung für Umwelt, Soziales und Governance ernst zu nehmen und aktiv zu handeln.

Durch die neuen Vorschriften müssen Unternehmen transparenter sein und umfangreiche Informationen zu ihren Geschäftspraktiken in Sachen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung offenlegen. Sie müssen aber auch deren Strategie und Handlungspläne zur nachhaltigen Transformation beschreiben und – das ist hier ganz entscheidend – darlegen, wie deren Wirksamkeit sichergestellt werden kann.  Und das nicht nur für das eigene Unternehmen, sondern in Zukunft auch für die gesamte Lieferkette.

Dies schafft mehr Transparenz für Investoren, welche Ihre Finanzströme zukunftsfähig angelegt wissen wollen, für Kunden, die durch die CSRD und das Lieferkenntensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) ebenfalls nachhaltig agieren müssen und Konsumenten, die sich zunehmend für Nachhaltigkeit interessieren. Die Einhaltung von ESG-Kriterien wird somit zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.

Darüber hinaus können Unternehmen durch eine konsequente Umsetzung von ESG-Richtlinien auch Kosten sparen und Risiken minimieren. Eine effektive Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen kann beispielsweise den Ressourcenverbrauch reduzieren und somit Kosten senken. Gleichzeitig können soziale Risiken minimiert werden, indem beispielsweise faire Arbeitsbedingungen gewährleistet werden.

Unternehmen werden dazu aufgefordert, ihre Verantwortung wahrzunehmen und nachhaltige Geschäftspraktiken zu implementieren. Dies ist nicht nur gut für die Umwelt und die Gesellschaft, sondern auch für das langfristige Wachstum des Unternehmens.

Bedeutung der Säule „Social“

Soziale Belange finden in Unternehmen oft weniger Beachtung als geschäftspraktische Themen, die vermeintlich den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beeinflussen. Die Corporate Social Responsibility Directive (CSRD) legt fest, dass nichtfinanzielle Aspekte im Rahmen von Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) in den jährlichen oder quartalsweisen Lageberichten behandelt und einer gemeinsamen Prüfung unterzogen werden müssen. Dadurch erhalten ESG-Themen einen deutlich höheren Stellenwert und werden stärker präsentiert.

Doch was bedeutet dies für den Bereich Social? Während Themen wie CO2-Reduktion und das GHG-Protokoll bereits seit einiger Zeit vermehrt im Fokus stehen und Unternehmen ihre Pläne zur CO2-Reduktion (mal mehr oder weniger ernsthaft) präsentieren, bleibt die Beachtung sozialer Aspekte oft gering. Dabei ist soziale Nachhaltigkeit ebenso entscheidend, um eine stabile und zukunftsfähige Marktwirtschaft zu gewährleisten, Arbeitsplätze und Fachkräfte zu sichern sowie eine gesunde, arbeitsfähige Gesellschaft zu fördern. Die CSRD spricht von einem „sozial gerechten Übergang zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem“.

Für Unternehmen bedeutet dies konkret, dass sie sich verstärkt auf soziale Aspekte konzentrieren müssen. Dazu gehören die Förderung von Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz, die Einhaltung der Menschenrechte in der Lieferkette und die Unterstützung lokaler Gemeinschaften. Durch eine stärkere Fokussierung auf soziale Verantwortung können Unternehmen nicht nur ihre Arbeitgebermarke stärken und hochqualifizierte Fachkräfte gewinnen, sondern auch die Zufriedenheit und Bindung ihrer Mitarbeitenden erhöhen sowie das Vertrauen ihrer Kunden und Mitarbeitenden gewinnen.

Wie Gesunde Arbeit dazu beitragen kann, die ESG-Kriterien zu erfüllen

Die CSRD ist für Gesunde Arbeit äußerst vielversprechend und bietet eine hervorragende Grundlage für Unternehmen, um die Anforderungen an die ESG-Kriterien im Bereich der Säule S zu erfüllen. Gesunde Arbeit spielt in zahlreichen Kriterien eine entscheidende Rolle. Indem Unternehmen sich auf die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz konzentrieren, können sie nicht nur ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen glücklicher und produktiver machen, sondern auch ihren Ruf als verantwortungsbewusste und nachhaltige Organisation stärken.

Gesunde Arbeit kann dazu beitragen, die Umwelt- und Sozialstandards zu erfüllen, indem sie sicherstellt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer sicheren und gesunden Arbeitsumgebung arbeiten. Dies bedeutet nicht nur den Schutz vor Verletzungen oder Krankheiten am Arbeitsplatz, sondern auch die Förderung eines positiven Arbeitsklimas, das die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden unterstützt.

Darüber hinaus kann Gesunde Arbeit dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck von Unternehmen zu reduzieren. Durch die Implementierung von Maßnahmen wie einem nachhaltigen Mobilitätskonzept oder der Förderung des Umweltbewusstseins der Mitarbeitenden können Unternehmen ihre Umweltauswirkungen minimieren und somit einen Beitrag zur Erreichung der gesamten Nachhaltigkeitsziele leisten.

Insgesamt ist Gesunde Arbeit ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Unternehmensstrategie. Indem sie sich auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen konzentrieren, können Unternehmen nicht nur ihre sozialen Verantwortlichkeiten erfüllen, sondern auch ihre wirtschaftlichen Ziele erreichen.

Und was nicht vergessen werden darf ist, dass sich diese Verantwortung zur Gesunden Arbeit nicht auf die eigenen Unternehmen begrenzt, sondern über die gesamte Lieferkette weitergegeben werden muss, um dafür Sorge zu tragen, dass nicht nur die eigenen Mitarbeitenden angemessene Arbeitsbedingungen erhalten, sondern dies entlang der eigenen Wertschöpfungskette gelebt wird.

Erste Auswirkungen der neuen Regelungen

Obwohl sehr viele Unternehmen erst in den Jahren 2025 oder 2026 berichtspflichtig werden, ist jetzt schon eine starke Bewegung sichtbar. Einerseits wird der Klimawandel auch bei uns zunehmend spürbar und Unternehmen setzen sich aus nachhaltigen oder wirtschaftlichen Gründen zunehmend freiwillig für eine nachhaltige Transformation ein. Andererseits spüren Unternehmen bereits den Druck großer börsennotierter Unternehmen, die schon früher die CSRD erfüllen müssen und damit auch die ESG-Praktiken ihrer Lieferketten nachweisen müssen. Dadurch sind nun doch bereits weitaus mehr Unternehmen betroffen und müssen handeln, um nicht teilweise milliardenschwere Aufträge zu verlieren.

Aber auch unabhängig davon erkennen immer mehr Unternehmen die Wichtigkeit, sich rechtzeitig vorzubereiten. Sie setzen sich aktiv damit auseinander, wie sie ihre Datenerhebungsprozesse optimieren, Risiken frühzeitig analysieren und erste Maßnahmen ergreifen können. Diejenigen, die bislang noch nicht gehandelt haben, werden bald spüren, dass die Zeit drängt, denn nicht nur die Berichtspflicht, sondern auch die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der globalen Klimaerwärmung – auch auf das eigene Unternehmen – werden kommen.

Ein weiteres Anzeichen für die Bewegung erkennt man auch noch an anderer Stelle als bei den Unternehmen selbst. Alle großen Unternehmensberatungen sind derzeit damit beschäftigt, große Teams von ESG-Expert:innen zu bilden, um für die kommende Herausforderungen der Unternehmen gerüstet zu sein.

Es ist jedoch klar, dass die Offenlegungspflicht allein nicht ausreichen wird, um Unternehmen ernsthaft und vollständig nachhaltig zu transformieren. Hier bedarf es eines nachhaltigen Leadership, innovativer Ideen und vielleicht auch einer Portion Mut. Und nicht zuletzt benötigt es eine Gesellschaft, die diese Transformation vollumfänglich unterstützt und vor allem Mitarbeitende, die den nachhaltigen Weg begleiten und mitgestalten.

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