Interview mit Michael Fraenkel (MOOVE GmbH)
Was brauchen junge Menschen, um gesund und selbstbewusst ins Berufsleben zu starten? Michael Fraenkel ist Dozent für Betriebliche Gesundheitsförderung und Coach bei der MOOVE GmbH und kennt die Antworten aus erster Hand. In über 140 Einsätzen pro Jahr begleitet er Auszubildende und Unternehmen bei Workshops, Beratungen und Gesundheitstagen rund um das Thema Azubi Gesundheitsförderung. Sein Ziel: Die Lebensrealitäten junger Menschen ernst nehmen, Potenziale sichtbar machen und Angebote schaffen, die wirklich etwas bewegen.
Im Interview spricht Michael über die Herausforderungen der Generation Z und zeigt auf, was Betriebe konkret tun können, um junge Talente zu fördern, zu binden und gesund ins Arbeitsleben zu begleiten. Auch ein Blick auf die kommende Generation Alpha fehlt nicht: Warum mentale Gesundheit kein „Extra“ mehr ist und wie Unternehmen jetzt die Weichen für morgen stellen können.

Michael, was gelingt in der Arbeit mit Auszubildenden besonders gut und worauf kommt es dabei an?
In der Azubi Gesundheitsförderung gelingt es besonders gut, Vertrauen aufzubauen, Potenziale sichtbar zu machen und Impulse zu setzen, die wirklich hängen bleiben. Junge Menschen wollen ernst genommen werden und sie merken sehr schnell, ob man mit ihnen redet oder nur „über sie hinweg“. Entscheidend ist ein ehrliches Interesse an ihren Lebensrealitäten und eine Kommunikation auf Augenhöhe.
Eine erfolgreiche Zusammenarbeit entsteht dort, wo Auszubildende Mitgestaltung erfahren und ihre Erfahrungen in den Arbeitsalltag einbringen dürfen. Feedbackprozesse, klare Orientierung und ein Klima der Wertschätzung sind keine Kür, sondern Voraussetzung. Wer junge Berufseinsteiger:innen empowern will, muss zuhören, leiten und auch loslassen können.
Welche Herausforderungen bringt die Zielgruppe der Auszubildenden mit sich und wie kann man sinnvoll darauf reagieren?
Eine der größten Herausforderungen in der Azubi Gesundheitsförderung ist das Spannungsfeld zwischen digitaler Sozialisation und analoger Arbeitsrealität. Viele Auszubildende sind digital sehr kompetent, aber oft wenig erfahren im zwischenmenschlichen Umgang in Präsenz oder bei Konflikten. Hier braucht es keine Belehrung, sondern Begleitung: Kommunikation muss eingeübt, Erwartungen müssen geklärt und Unsicherheiten ernst genommen werden.
Typische Stolpersteine entstehen durch unrealistische Erwartungen auf beiden Seiten. Während Azubis sich oft mehr Struktur und Feedback wünschen, erwarten Führungskräfte manchmal zu schnell Selbstverantwortung. Hier helfen klare Rollenbilder, regelmäßiger Austausch und Mentoring-Angebote, die Brücken bauen.
Wie muss ein Projekt gestaltet sein, damit es bei Azubis wirklich ankommt und nachhaltig wirkt?
Ein wirksames Projekt zur Azubi Gesundheitsförderung muss drei Dinge leisten: Relevanz zeigen, Beziehung schaffen und Beteiligung ermöglichen. Inhalte müssen lebensnah sein: keine PowerPoint-Flut über „gesunde Ernährung“, sondern echte Fragen: Was stresst mich? Wie komme ich morgens aus dem Bett? Wie gehe ich mit Druck um? Warum ist Bewegung für mich wichtig?
Erfolgreich sind Formate, die dialogisch sind, Humor zulassen und die Lebenswelt der Zielgruppe einbeziehen. Gamification-Elemente, kreative Methoden oder digitale Tools können helfen, aber der Kern bleibt: Haltung schlägt Hochglanz. Wer authentisch ist, erreicht junge Menschen. Wir präsentieren Werkzeuge für ihren eigenen „Gesundheitswerkzeugkoffer“: praxisnah, partizipativ und auf Augenhöhe.
Die Generation Alpha steht in den Startlöchern. Sind Unternehmen darauf vorbereitet?
Viele Unternehmen sind noch damit beschäftigt, die Generation Z zu verstehen, dabei steht mit der Generation Alpha bereits die nächste Zielgruppe für die Azubi Gesundheitsförderung vor der Tür. Diese jungen Menschen wachsen mit KI, Sprachsteuerung und einem permanenten Zugang zu Wissen auf, gleichzeitig erleben sie Unsicherheiten, globale Krisen und eine digitale Überforderung.
Was sie besonders macht, ist ihre Ambivalenz: hochvernetzt und doch auf der Suche nach echter Bindung. Informationssatt, aber oft ohne Orientierung. Unternehmen sollten sich darauf einstellen, dass klassische Führungsstile und starre Strukturen bei dieser Generation immer weniger funktionieren. Es braucht Flexibilität, Sinnangebote und individuelle Förderung.
Was sollten Unternehmen jetzt konkret tun, um gesunde Arbeit für die nächste Generation zu gestalten?
Unternehmen müssen heute den Nährboden für eine gesunde, zukunftsfähige Ausbildung schaffen. Das beginnt mit einer klaren Haltung zur Frage: Wie wollen wir arbeiten und wie wollen wir miteinander umgehen? Für die Generation Alpha ist mentale Gesundheit kein „Extra“, sondern ein zentrales Kriterium für Arbeitgeberattraktivität.
Konkret bedeutet das: Gesundheitskompetenz muss früh gefördert werden, idealerweise schon im ersten Ausbildungsjahr. Führungskräfte sollten sensibilisiert sein für psychische Belastungen. Angebote im Rahmen der Azubi Gesundheitsförderung müssen partizipativ, multimedial und enttabuisierend sein. Wer heute Räume schafft, in denen sich junge Menschen ausprobieren und mitgestalten dürfen, bindet Talente nicht nur – er entwickelt sie nachhaltig weiter.




